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Fragment der kolossalen Jupitermaske

Das Fragment der kolossalen Jupitermaske befindet sich im Brückenzimmer von Goethes Wohnhaus, über der Tür, die zum Gartenzimmer führt. Goethe nutzte das Brückenzimmer zur Aufbewahrung und Präsentation seiner Plastikensammlung. 

Zu Goethes Lebzeiten hatte die Antike einen bedeutenden Einfluss auf ihn und andere Künstler. Die Maske wurde nach der obersten Gottheit in der römischen Mythologie benannt, dem Jupiter. 

Bei der Jupitermaske handelt es sich um einen Gipsabguss nach antikem Vorbild, der 1788 entstand. Das Original ist jedoch nicht bekannt. 

Da sich im Brückenzimmer nur Plastiken befinden, fällt die Jupitermaske besonders auf. Ein wichtiges Merkmal der Maske ist ihre Unvollständigkeit. Zu sehen sind lediglich die Stirn, die Augen und ein Teil der Nase. Der gesamte untere Teil des Gesichtes ist nicht mehr vorhanden. An der Nase und den Wangen sind deutliche Bruchspuren zu erkennen. Auffällig an der Maske ist die detaillierte Arbeit des Künstlers, die man an den Stirnfalten und der Augenpartie sehen kann.

Beim Betrachten der Maske wird die Fantasie angeregt, da jeder eine individuelle Vorstellung davon hat, wie die Maske im Ganzen aussehen könnte. Durch das Fehlen der unteren Gesichtshälfte ist es schwer, die eigentliche Wirkung der Maske zu erfassen, da vor allem der Mund ein sehr prägender Part des Gesichts ist.  Dadurch steht es dem Betrachter offen, welche Züge der Mund in seiner Fantasie annimmt. Die fehlenden Pupillen verleihen der Maske eine Ausdruckslosigkeit und Leere. Auf uns wirkt sie dadurch jedoch auch leicht beängstigend, geheimnisvoll und mystisch. 

Unserer Vermutung nach könnte Goethe den Platz über dem Türrahmen für diese Maske bewusst gewählt haben, um dem Rang Jupiters als obersten Gott gerecht zu werden. Deswegen sind alle anderen Plastiken im Brückenzimmer auf einer niedrigeren Ebene ausgestellt.

Die Jupitermaske ist besonders wegen ihrer Unvollständigkeit ein sehr interessanter Teil der Sammlung. Die Möglichkeiten der unterschiedlichen Interpretationen des Ausdrucks der Maske haben uns hierbei besonders beeindruckt.


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