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Schillers Gemmenkästchen (Daktyliothek)

Bei unserer Führung durch das Schillerhaus entdeckten wir ein unscheinbares Holzobjekt im Regal hinter dem Schreibtisch des Dichters. In diesem Kästchen befanden sich weiße Plättchen mit Abbildungen von Köpfen. Was sich dem heutigen Betrachter als Sammelkiste darbietet, wurde uns als Gemmensammlung bzw. Daktyliothek erklärt.

Doch was ist das überhaupt?

Bei Daktyliotheken handelte es sich ursprünglich um antike Siegelringsammlungen. Später allerdings, insbesondere in der Weimarzeit, setzten sich diese Kollektionen aus Abdrücken von Edelsteinen, geschnittenen Schmuckstücken oder anderen Steinschnittarbeiten zusammen. Diese Abdrücke bestanden größtenteils aus den günstigeren Materialien Gips, Siegellack oder Wachs. In der Goethezeit war das Sammeln und Tauschen von Gemmen sehr in Mode, vergleichbar heute etwa mit dem Briefmarken- oder Münzsammeln. Bei den eigentlichen Gemmen handelt es sich um die zeitgenössischen oder antiken Originale, sodass es zu heftigen Diskussionen um die Echtheit mancher Stücke kam.

Schillers Gemmensammlung

Der Holzkasten in Schillers Besitz beinhaltet insgesamt 386 Stück in sechs Schubfächerm. Bei seinen Gemmen handelt es sich um die Gipsabgüsse antiker Götter. Diese dienten ihm höchstwahrscheinlich zur Inspiration oder auch als Erinnerung an die griechische Mythologie.

Goethes Gemmen

Goethes Sammlung war bei weitem größer, sie umfasste 39 Daktyliotheken. Die zuletzt von ihm erworbene und bedeutendste Gemmensammlung zeigt diverse Liebesakte und Phallossymboliken mit geflügelten Phalloi oder jenen, die als Reittier genutzt worden.


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