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Goethe und Carl August – eine Männerfreundschaft

„Der Herzog mit dem ich nun schon an die neun Monate in der wahrsten und innigsten Verbindung stehe, hat mich endlich auch an seine Geschäffte gebunden, aus unsrer Liebschaft ist eine Ehe entstanden, die Gott seegne.“, so beschreibt Goethe 1776 seine Beziehung zu Carl August.

Diese dreiundfünfzig Jahre lange Männerfreundschaft zwischen den beiden Charakteren prägte Weimar sehr. Eine solch lange Freundschaft zwischen zwei Männern ist für uns fast unvorstellbar. Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit diese Freundschaft ernst zu nehmen war, wie intensiv sie war und wie es überhaupt dazu kam.

Es geht um die Freundschaft zwischen Johann Wolfgang von Goethe und dem Herzog Carl August, der als Kind einer eher strengen Erziehung unterzogen war. Diese Erziehung stand einem lebensfrohen und eigensinnigen Charakter gegenüber. Carl August wurde im Jahre 1757 geboren und schon früh interessierte er sich für Kultur und auch für die Jagd. Er strebte nach Freiheit und Natur, was sich auch in seinem späteren Leben am Hof und in seinen Einstellungen widerspiegelte. Sein Freund Goethe, 1749 geboren, wuchs wohlbehütet als Kind eines Anwaltes in Frankfurt auf. Goethe setzte sich sein ganzes Leben lang mit verschiedenen Elementen seiner Umwelt auseinander. Die Beiden hatten ähnliche Persönlichkeiten und Interessen, was wohl auch grundlegend für die Freundschaft gewesen war. Obwohl man nun vielleicht eine nahezu perfekte Freundschaft vermutet, gab es einige Diskrepanzen zwischen den befreundeten Männern.

Diese außergewöhnliche und doch ganz besondere Freundschaft soll nun genauer untersucht werden.

Carl August zeichnet sich schon in frühen Jahren durch seinen Ehrgeiz und sein Streben nach Geltung aus. Seine Mutter Anna Amalia, die ihre Macht als Vormundschaftsregentin liebte, sah ihren Sohn mehr als Prinzen denn als künftigen Herzog. Er sehnte sich aber nach seiner Volljährigkeit, um endlich der Aufsicht seiner Erzieher zu entkommen. Doch die Herzogin zögerte seine Einführung in die Arbeit des geheimen Conseils bis zum Herbst 1774 hinaus, indem sie den jungen Prinzen auf eine Kavalierstour nach Paris schickte. Knebel, einer seiner Erzieher, vermittelte bei der Durchreise am 11. Dezember 1774 eine erste Begegnung mit Goethe in Frankfurt, der bereits seinen Götz und Werther veröffentlicht hatte.

Goethe und Carl August treffen ein weiteres Mal im September 1775 aufeinander, als der Herzog wieder auf Durchreise in Frankfurt ist. Er war eigentlich auf dem Weg zu seiner Hochzeit mit Louise von Hessen Darmstadt. Dabei lädt er den Dichter spontan zu sich nach Weimar ein. Bei seiner Rückreise von seiner Heirat im Oktober des selben Jahres, macht das junge Paar erneut Halt in Frankfurt. Carl August erneuert dabei seine Einladung.

Nur einen Monat später folgt Goethe der Einladung und trifft in den frühen Morgenstunden des 7. November 1775 in Weimar ein. Er wird schnell zum persönlichen  Freund des Herzogs, obwohl dieser 8 Jahre jünger war. Doch es gab von Anfang an mehrere Probleme. Das erste war das platonische Liebesverhältnis des deutschen Schriftstellers zu Charlotte von Stein. Diese hübsche Frau war mit einem Adeligen verheiratet und eine Hofdame von Carl Augusts Frau: Louise von Hessen Darmstadt. Der Herzog musste ihn daran erinnern, dass sie bereits einem adeligen Hofmarshall versprochen war. So schreibt er in einem Brief an Frau von Stein: „Der Rektor hat dem Herzog eine böse Serenade gebracht, aus der ich mir nichts gemerkt habe als: Meine Freundin ist mein.“

Das zweite Problem war seine frühe Ernennung zum Minister am Weimarer Hof. Vor allem der zu dieser Zeit besonders einflussreiche Jakob Friedrich von Fritsch war gegen die Berufung Goethes zum Minister. Für ihn war Goethe kein Politiker, sondern „ein redlicher Mann“, dem es an Erfahrung fehlt. Ungeachtet der Zweifel von Fritsch führt Carl August Goethes „Genie“ an um seine Entscheidung, ihn als Minister zu ernennen, zu rechtfertigen.

Die darauf folgenden Jahre kann man als eher ruhig bezeichnen. Der Regent und der Dichter leben in Eintracht im Ilmpark. Der eine in seinem Gartenhaus, das er von seinem Freund geschenkt bekommt, während der andere im so genannten Luisenkloster (Borkenhäuschen) wohnt. Ein guter Beweis für ihre Freundschaft ist der Brief Carl Augusts an Goethe, in dem er ihn beauftragt, einen neuen Wohnsitz für ihn im Park zu planen: das spätere römische Haus.

Doch Goethe wird ihre Freundschaft in den kommenden Jahren mehrmals auf die Probe stellen, wie z.B. als er ohne Ankündigung nach Italien (1786-1788) verschwindet oder alleine ins Harzgebirge (1777) reist. Der Herzog wird immer öfter gezwungen sein, die Ausschweifungen Goethes zu tolerieren. So werden die Frauen immer öfters zu Problemen. Goethe der 1782 von Carl August geadelt wird, verliebt sich unsterblich in seine spätere Frau Christiane. Diese ist aber eine bürgerliche, deshalb muss er sie in seinem Stadthaus verstecken, um mit ihr leben zu können.

Die Freundschaft der beiden wird aber bis zu letzt erhalten bleiben. Als Carl August 1828 schließlich stirbt, trifft es Goethe schwer. Er zieht sich wochenlang auf die Dornburg zurück, um zu versuchen, den schweren Verlust zu verkraften.

Man kann also sagen, dass die Freundschaft von Carl August und Goethe nicht nur viele Höhen und Tiefen durchlebt hat, sondern die Gemeinsamkeiten und die Diskrepanzen zwischen den beiden den Weimarer Hof stark geprägt haben. Dieses Paar machte mit ihrer Politik Weimar weltberühmt. Dieser Ruhm überlebte sogar die beiden und führte dazu, dass nach ihrer Zeit Gelehrte wie Humboldt (u.a. auch Andersen, Wagner, Berlioz, Kafka und Beckett) nach Weimar kamen und sogar in Goethes Gartenhaus wohnten, um den Geist dieser Zeit nachzuempfinden.

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