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Virgil schreibt seine Grabinschrift

Der kolorierte Kupferstich mit Roulette, den Thomas Burke um 1794 nach Angelica Kauffmann anfertigte, hängt in Schillers Wohnhaus im ersten Obergeschoss, der "Familienetage", in Charlottes Salon.

Publius Vergilius Maro (70 v.Chr. - 19 v.Chr.) war ein lateinischer Dichter und Epiker. Er gilt als wichtigster Autor der klassischen römischen Antike und gehörte bereits zu Lebzeiten zu den bekanntesten Dichtern seiner Zeit. Seine Werke und deren Gedanken revolutionierten die lateinische Dichtung und wurden kurz nach seinem Tod immer wieder abgeschrieben, herausgegeben, kommentiert und intertextuell verarbeitet. Deswegen wurde ihm in der Zeit der Weimarer Klassik unter anderem die Vergilgrotte Tiefurt gewidmet.

Auf dem Bild sind 3 Männer und eine Frau zu sehen, welche alle in die Mitte zu Vergil schauen. Selbst die Büste in der Ecke rechts oben guckt auf die Schriftrolle, die gerade beschrieben wird. Sie tragen antike Gewänder, welche alle - außer bei Vergil - dunkel gehalten sind. Daran kann man erkennen, dass Vergil im Mittelpunkt steht. In der Komposition kann man eine aufsteigende Diagonale erkennen. Es sind viele Symbole in dem Druck vereint, welche alle auf Vergil hindeuten. Die Büste steht für das Vorbild (später zum Beispiel für Schiller und Goethe). Die Schriftrolle ist ein Symbol für seine Tätigkeit als Dichter und Schriftsteller. Dabei hatte er sehr viel Erfolg, wofür der Loorbeerkranz in den Händen der Frau steht. Auf dem Boden liegt eine kaputte Leier, welche auf den Tod hindeutet. Wenn man dies mit der Kompositionslinie verbindet, ist auch diese ein Symbol: vom Lebenden zum Denkmal und was danach noch bleibt. 

Dieses Bild deutet auf den Tod von Vergil hin, schon weil er seine eigene Grabinschrift schreibt und die Leier, Symbol der Dichtkunst, zerbrochen am Boden liegt. Das ganze Zimmer, in dem dieser Kupferstich aufgehängt wurde, beschäftigt sich mit dem Tod und dem Andenken an Dichter, damit erinnert es auch an Schillers frühen Tod.

Vergil war ein wichtiges Vorbild von Schiller, sowohl als Dichter, als auch als Mensch.


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